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Im Fortgang der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass
bei einer solchen Begrenzung des Umfanges weder die auswertenden Beiträge
angemessenen dargestellt werden können, noch dass die Denkmale selbst in einen
einzelnen Band "gepreßt" werden können. Geplant sind nunmehr drei Bände
"Beiträge zur Denkmaltopographie Freiberg" und zwei Bände "Denkmaltopographie
Freiberg". Letztere werden untergliedert in Band IV "Vorstädte" und Band V
"Altstadt".
Der kürzlich vorgelegte ersten Band hat einen Umfang von 425 Seiten, 622
teilweise farbige Abbildungen und 2 Beilagen. In diesem Band legen 17 Personen
in 17 Einzelaufsätzen ihre Ergebnisse vor. Zahlreiche historische Fotografien,
Grafiken und Pläne, die zu einem großen Teil bislang unpubliziert sind,
illustrieren anschaulich die jeweiligen Beiträge.
Nach einem Geleitwort der
Oberbürgermeisterin Dr. Uta Rensch, einem Vorwort des im Sommer 2002 in
den Ruhestand getretenen Landeskonservators des Landesamtes für Denkmalpflege
Prof. Dr. Gerhard Glaser folgen die Vorbemerkungen der beiden
Projektleiter Yves Hoffmann und Uwe Richter, in denen das Projekt und das
Zustandekommen des ersten Bandes näher erläutert werden. Daran schließen
folgende Aufsätze an:
Undine Kaden
und Ursula Ladwig: Geologie, naturräumliche
Lage und Landschaftsstruktur des Freiberger Raumes. S.
1-4:
Hier werden die natürlichen Rahmenbedingungen
näher erläutert, die für die Entstehung und Entwicklung der Stadt Freiberg von
Belang sind.
Uwe
Richter: Freiberg im Mittelalter. S.
5-45:
In dem Aufsatz wird zunächst ausführlich auf die
Entstehung Freibergs eingegangen, wobei die schriftlichen Quellen zur
Frühegeschichte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts einer kritischen
Sichtung unterzogen werden. Baulichkeiten aus der Zeit vor dem letzten großen
Stadtbrand im Jahr 1484 haben sich nur in geringem Umfang erhalten; diese werden
ausführlich vorgestellt, wobei auch auf archäologische Befunde eingegangen wird.
Insbesondere das spätromanisch/frühgotische Gebäude Untermarkt 1 verdient
besondere Beachtung, da es sich um das repräsentativste erhaltene Gebäude aus
dieser Zeit in einer Stadt in Sachsen handelt. Bemerkenswert ist auch das
ursprünglich zweigeschossige Haus Pfarrgasse 37, das das älteste
dendrochronologisch datierte Bürgerhaus im heutigen Sachsen (um 1250) ist. Seit
dem ausgehenden 12. Jahrhundert bis in das späte Mittelalter war Freiberg
aufgrund des Silberbergbaus die bedeutendste Stadt in der Mark
Meißen.
Ulrich
Thiel: Freiberg zwischen 1484 und der Mitte
des 17. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung des Baugeschehens. S.
46-75:
Gemessen an der Bedeutung des Bürgerhausbaus der
Spätgotik und Renaissance hätte dieser Beitrag allein einen Band füllen können,
haben sich doch in der Stadt etwa 250 Gebäude aus dieser Zeit erhalten! Da dies
jedoch nicht möglich war, stellt der Autor die wirtschaftlichen und politischen
Rahmenbedingungen näher vor und gibt schließlich einen Abriß zur baulichen Entwicklung. Dieser Zeitabschnitt
soll nach Abschluss des Gesamtprojektes noch einmal ausführlich dargestellt
werden. Im Band II werden verschiedene Einzelaspekte dieser Zeit außerdem näher
beleuchtet (Wandmalereien, Bauplastik, Dachwerke). Hervorgehoben werden sollen
hier nur das älteste überhaupt erhaltene "reine" Sitznischenportal am Gebäude
Untermarkt 8, das zwischen 1499 und 1502 errichtet wurde, das
Frührenaissancegebäude Obermarkt 17, das der aus Regensburg stammende Patrizier
Georg Lißkirchen (Lißkirchner) 1528-31 errichten ließ und das zu den frühesten
Renaissance-Bürgerhäusern Mitteldeutschlands gehört und auf die Gebäudegruppe
der sogenannten Domherrenhäuser am Untermarkt, die unmittelbar nach dem letzten
Stadtbrand in der Zeit zwischen 1487/88 und den ersten Jahren des 16.
Jahrhunderts errichtet wurden. Der relative Bedeutungsverlust der Stadt im
Vergleich zu anderen Städten Sachsens lässt sich auch am Hausbestand ablesen:
Die Bedeutung Freibergs in dieser Hinsicht beruht nicht so sehr auf überregional
bedeutenden Einzelbeispielen, sondern in erster Linie auf der großen Menge der
hier erhaltenen Gebäuden der Spätgotik und Renaissance.
Yves Hoffmann
und Uwe Richter: Der bürgerliche Hausbau
Freibergs im Barock (1650-1800). S. 76-120:
Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt
erhebliche Schäden zu verzeichnen, wobei vor allem die Vorstädte fast
vollständig zerstört wurden. Der Bedeutungsverlust der Stadt kommt vor allem im
18. Jahrhundert zum Tragen. So erlebte Freiberg zwar im letzten Drittel des 17.
Jahrhunderts mit einer vergleichsweise großen Anzahl an Gebäuden noch einmal
einen kleinen Aufschwung, wobei auch die Beteiligung Dresdner Baumeister, wie
Wolf Caspar von Klengel oder Johann Georg Starcke wahrscheinlich gemacht werden
konnte. Dagegen fallen die Bauleistungen des 18. Jahrhunderts trotz zweier
Quartierbrände 1724 und 1728 deutlich zurück.
Yves Hoffmann
und Uwe Richter: Die bauliche Entwicklung
Freibergs von der Zeit um 1800 bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts. S.
121-136:
In dieser Zeitspanne hinkt Freiberg der
allgemeinen Entwicklung deutlich hinterher. Erste klassizistische Bauten
entstehen erst nach 1800 und neogotische Architekturen finden sich erst ein
halbes Jahrhundert nach deren Auftreten beispielsweise in Dresden. Die lediglich
regional wichtigen Baumeister Gustav Adolph Garbe und Eduard Heuchler versuchen
mit zumeist geringem Erfolg den Anschluß an die Architekturentwicklung zu
halten.
Gisela-Ruth
Engewald: Die bauliche Entwicklung
Freibergs von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1914. S.
137-168:
Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in
Freiberg ein enormer Aufschwung ein, der zum flächenmäßig größten Wachstum der
Stadt führte. Aufgrund der starken wirtschaftlichen Ausrichtung auf den Bergbau,
der schließlich im Jahr 1913 eingestellt wurde, fällt jedoch das Wachstum im
Vergleich etwa mit Chemnitz, Plauen oder Zittau (von Dresden und Leipzig ganz
abgesehen) erheblich geringer aus. Nach Anlegung des Bahnhofes im Jahr 1862 und
zunächst überwiegend unregulierter Baubauung der entstehenden "Bahnhofsvorstadt"
kam es für dieses Gebiet zu ersten Bauregulativen. Der erste bebauungsplan wurde
erst 1888 beschlossen. Noch vor dem beginn des 1. Weltkrieges ging der Bauboom
zurück. Das Baugeschehen wurde fast ausschließlich von einheimischen Kräften
bestimmt; überregional bedeutende Baumeister waren in Freiberg nicht
tätig.
Marlis
Möller: Bauten des Jugendstiles und des
Heimatstiles in Freiberg. S. 169-183:
Erste Jugendstilbauten entstanden im Jahr 1899 in
Freiberg. Aus denkmalpflegerischer Sicht von überregionaler Bedeutung ist der
Jugendstil-Schutzbau für die Goldene Pforte am Freiberger Dom, der nach
Forderungen von Cornelius Gurlitt nicht historistisch gestaltet, sondern in
zeitgemäßen Formen ausgeführt wurde.
Anke
Schindler: Die Stadt in den zwanziger
Jahren des 20. Jahrhunderts. S. 184-192:
Zu den wichtigsten Baumeistern der Zeit nach dem
1. Weltkrieg gehörten die beiden Stadtbaumeister Gustav Rieß und Georg Salzmann,
sowie der regional bedeutende Döbelner Architekt Werner Retzlaff, der in
Freiberg einige seiner Frühwerke schuf. Vor allem das Stadt- und
Bezirkskrankenhaus und das Krematorium, beides nach Entwürfen von G. Salzmann
errichtet, sind gute Beispiele für die Architektur der Zeit.
Kristin
Voßler: Die bauliche Entwicklung Freibergs
zwischen 1933 und 1945. S. 193-198:
Herausragendes Beispiel für das Baugeschehen
dieser Zeitspanne ist die Siedlung "Am Sonnenrad", die nach einem Entwurf von
Georg Salzmann in den Jahren 1935-1938 errichtet wurde und eine Umsetzung der
nationalsozialistischen Ideologie in die Architektur zum Ziele hatte
(Aufmarschplatz, Fachwerk in Form von Runen, usw.). von Kriegszerstörungen blieb
die Stadt weitgehend verschont.
Christiane
Erler: Die bauliche Entwicklung Freibergs
in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts: S.
199-207:
Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg sah vor allem einen
umfassenden Ausbau der "Hochschulstadt", die bereits in den 30er Jahren begonnen
wurde. Gigantomanische, nie umgesetzte Pläne sind ebenso kennzeichnend für das
Baugeschehen in der DDR, wie die Schwierigkeiten innerstädtischer Bebauung, die
in Freiberg jedoch - trotz mehrfacher Pläne zum Abbruch der Altstadt - insgesamt
als vetretbar angesehen werden muß. Zu nachhaltiger Vernachlässigung der
Altbausubstanz mit drohenden großflächigen Verlusten infolge von mangelnder
Bauunterhaltung kam es erst nach dem in diesem Aufsatz behandelten
Zeitabschnitt.
Heinrich
Magirius: Sakralbauten in Freiberg. S.
208-241:
Das fast alle der erhaltenen Freiberger
Sakralbauten in den letzten Jahren und Jahrzehnten in kleineren Aufsätzen bis
hin zu umfangreichen Monographien untersucht worden sind und eine angemessene
Darstellung auch hier den Umfang des Bandes gesprengt hätte, wurde in diesem
Aufsatz besonders eine Wertung des Bestandes gelegt. Mit der spätromanischen
Goldenen Pforte und der Ausstattung der kurfürstlichen Begräbniskapelle finden
sich in Freiberg Kunstwerke von internationaler Bedeutung. Das spätgotische
Langhaus des Domes und die Barockumbauten der Petrikirche und der Nikolaikirche
sind hingegen von Belang für die Architekturentwicklung in
Obersachsen.
Manfred
Lawrenz: Die Freiberger Stadtbefestigung.
S. 242-259:
Die Freiberger Stadtbefestigung wurde seit dem 13.
Jahrhundert immer wieder erneuert, bis sie in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
aufgegeben, zu einer Promenade umgewandelt und teilweise abgebrochen wurde.
Während sich jedoch erhebliche Teile der Stadtmauer erhalten haben, so mussten
alle 5 Stadttore dem Bebauungsdruck weichen. Diese sind jedoch aufgrund der
zahlreichen Zeichnungen und einiger Risse recht gut dokumentiert.
Tim
Tepper: Schloss Freudenstein. S.
260-272:
Die Burg Freiberg entstand noch im 12.
Jahrhundert, wie anhand eines ergrabenen Bergfriedes aus dieser Zeit belegt
werden kann. Mehrere Umbauten in den folgenden Jahrhunderten lassen sich bislang
nur ungenügend fassen. Das heutige Bild des seit dem 16. Jahrhundert
"Freudenstein" genannten Schlosses rührt von einem grundlegenden
Renaissance-Umbau des kurfürstlichen Baumeisters Hans Irmisch aus den Jahren
1566-1577 und Umbauten zum Magazingebäude um 1800 her.
Frieder Jentsch
und Herbert Kaden. Zur Baugeschichte der
ältesten Gebäude der TU Bergakademie in Freiberg. S.
273-287:
Die in der Altstadt gelegenen ersten Gebäude der
im Jahr 1765 gegründeten Bergakademie Freiberg sind Gegenstand sind Gegenstand
dieser Untersuchung. Die komplizierte Baugeschichte des klassizistischen
Hauptgebäudes in der Akademiestraße wird anhand wiederaufgefundener Pläne des
Architekten Eduard Heuchler genauer beleuchtet. Zahlreiche Um- und
Erweiterungsbauten führten zu dem heutigen Komplex, der fast ein ganzes Quartier
einnimmt. Etwas entfernt steht das Renaissancegebäude Brennhausgasse 5, das als
Laboratorium diente und heute eine Gedenkstätte an Clemens Winkler, den hier
wirkenden Entdecker des Elementes Germanium beherbergt.
Heinrich
Douffet: Freiberger Vorstädte -
Stadtentwicklung außerhalb der Stadtmauern. S.
288-364:
Die heutigen "Vorstädte" Freibergs entstanden nach
Anfängen im 15. und 16. Jahrhundert, Zerstörungen im 17. Jahrhundert und
nachfolgendem, sich lange Zeit hinziehenden Wiederaufbau nach Abbruch dieser
Gebäude vor allem seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Insofern ist dieser
ausführliche Aufsatz als eine Ergänzung zu den Aufsätzen über die bauliche
Entwicklung der Stadt von um 1850 bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts zu
verstehen, wobei der Autor die Entwicklung bis in die unmittelbare Gegenwart
berührt. Zahlreiche Pläne belegen hier besonders eindrucksvoll die jeweiligen,
(glücklicherweise) oft nicht ausgeführten Planungen.
Heinrich
Douffet: Denkmalpflege in Freiberg -
Geschichte und Bewertung. S. 365-399:
Der Autor, selbst jahrzehntelang ehrenamtlicher
Denkmalpfleger in Freiberg und als solcher mit den Schwierigkeiten der Erhaltung
von Denkmalen zu DDR-Zeiten bestens vertraut, kann anhand von Freiberg einen
überaus wichtigen Beitrag zur Denkmalpflege in Sachsen beisteuern. War doch der
Freiberger Altertumsverein, der nach seiner Gründung im Jahr 1860 zunächst
geradezu ein "Denkmalpflegeverein", der sich um die Erhaltung zahlreicher
"Altertümer" in Freiberg und Umgebung verdient gemacht hat. An erster Stelle
sind hier die beiden ehemaligen Vorsitzenden des Vereins Heinrich Gerlach und
Konrad Knebel sowie der auch als Architekt tätige Zeichenlehrer Eduard Heuchler
zu nennen. Ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden systematisch Aufmaße
und ab 1880 ebenso systematisch Fotografien von Häusern und Details in der
Freiberger Altstadt auf Anregung und mit finanzieller Unterstützung des Vereins
angefertigt! Aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist besonders auf den
Kampf der Freiberger Bürger um die Erhaltung "ihrer" Stadt hinzuweisen. Die
Bedrohungen verdeutlicht anschaulich ein Modell der Altstadt nach einem Entwurf
von Hermann Henselmann, nach dem diese weitgehend von Neubaublocks beherrscht
würde. Bei Umsetzung dieses Projektes hätte sich die Erarbeitung einer
Denkmaltopographie Freiberg erübrigt!
Rainer
Bruha: Stadtsanierung und Denkmalpflege. S.
400-405:
Anhand ausgesuchter Beispiele innerstädtischer
Bebauung verdeutlicht der Autor die Schwierigkeiten, aber auch die Chancen einer
Bebauung in einer historischen Altstadt. Geradezu historistische Lösungen, wie
die Kopien einiger Gebäude stehen hierbei modernen Lösungen
gegenüber.
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