Freiberger Altertusverein eV

Mit der Gründung des Altertumsvereins Freiberg am 14. März 1860 durch den Buchdruckermeister Heinrich Gerlach (1828-1899) erfolgte auch die Einrichtung einer Vereinsbibliothek. Bereits der Großvater des Vereinsgründers hatte Bücher gesammelt, die sich auf die Geschichte Sachsens und der engeren Heimat bezogen. Diese von Sohn und Enkel noch erweiterte Bücherei von 1000 Druckschriften und 250 Hss. schenkte Heinrich Gerlach am 4. Juni 1860 dem Altertumsverein.

Nach intensiver Arbeit der ehrenamtlichen Bibliothekare konnte bereits 1870 der erste gedruckte Katalog erscheinen. Drei Nachträge folgten 1873, 1879 und 1893. Eine erweiterte Zettelkartei erfaßt gegenwärtig auch die Neuzugänge der letzten Jahrzehnte. Besondere Verdienste bei der Erschließung des Buchbestandes erwarben sich Dr. Eduard Heydenreich (1825-1915) und Oberschulrat Dr. Gustav Stephan (1861-1936), der 1928 neben einem Schlüssel auch ein Verfasser- und Sachverzeichnis zusammenstellte.


Die Erweiterung des Bestandes erfolgte wegen der ständig angespannten finanziellen Lage nur durch Schriftentausch mit anderen Vereinen. Diese Tauschtätigkeit wurde über Jahre hinweg kontinuierlich fortgesetzt. So unterhielt die Bibliothek 1886 einen Schriftentausch mit 22 Vereinen im Königreich Sachsen und 75 Vereinen außerhalb Sachsens: er reichte bis nach Graz, Wien, Hermannstadt (rumänisch Sibiu), Innsbruck, Prag, Riga, St. Petersburg und Zürich. Insgesamt bestanden Beziehungen zu 83 gleichgestellten Vereinen.

Die Vereinsbücherei war zunächst im selben Gebäude wie das Museum des Altertumsvereins untergebracht, dann bis 1903 im zweiten Obergeschoß des Städtischen Kaufhauses (heute Ratskeller) am Obermarkt 16, zusammen mit der Hauptabteilung der Städtischen Bücherei. Das Altertumsmuseum wurde 1930 als Kreismuseum dem Rat der Stadt unterstellt, die Buchbestände des Vereins gingen von da an in den Verantwortungsbereich des Museums über. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der wertvolle Bestand durch aktive Mitglieder ausgelagert.

         


                                                                   


Nach 1945 unterband die Besatzungsmacht eine Fortführung der Vereinstätigkeit. Im Juli 1953 wurde die Bücherei des Vereins in fünf Räumen des hinter dem Rathaus liegenden Hauses Burgstraße 3 untergebracht. Sie ging als Abteilung für Orts- und Landesgeschichte in den Bestand der Städtischen Bücherei ein. 762 Hss. (Abteilung A) sowie 135 Pläne, Landkarten (Abteilung C) werden seitdem im Stadtarchiv verwahrt. 1008 Abbildungen und Kunstblätter (Abteilung D) erhielt 1953 fast vollständig das Stadt- und Bergbaumuseum.

1989 übertrug die Stadtverwaltung Freiberg die Verantwortung für die Bibliothek dem Stadt- und Bergbaumuseum. Nach der Sanierung und Restaurierung eines Raumes im Gebäudekomplex des Stadt- und Bergbaumuseums wurde der Bestand durch die Museumsmitarbeiter umgelagert, gesichtet und aufgestellt. Die Ursachen für Fehlbestände (Kriegsauslagerung oder Ausleihverluste) sind nicht mehr festzustellen.

Quelle: Dr. Werner Lauterbach - In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa (Fabian- Handbuch) 

 

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